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Ungleicher Ressourcenkonsum auf globaler Ebene

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Ungleicher Ressourcenkonsum auf globaler Ebene

Die Diskussion über Ressourcennutzung und Ressourceneffizienz hat  in den letzten Jahren sowohl in Europa als auch international deutlich an Relevanz gewonnen. Dies hat einerseits wirtschaftliche Gründe: Zum einen die zunehmende internationale Konkurrenz um knapper werdende Ressourcen wie Rohstoffe, Wasser oder Land, ausgelöst etwa durch den Aufstieg und die gestiegene Nachfrage in Schwellenländern und hier insbesondere in China. Zum anderen aber auch die zunehmende Importabhängigkeit von Ressourcen in  Industrieländern. Andererseits ist dies auf ökologische Folgen zurückzuführen, denn der steigende Verbrauch an natürlichen Ressourcen ist eng mit einer Vielzahl an Umweltproblemen verbunden, darunter Klimawandel, Wasserknappheit oder Verlust der Artenvielfalt.

Was zeigen die aktuellen Trends des Ressourcenverbrauchs?

In den letzten Jahrzehnten hat sich der weltweite Verbrauch von erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Rohstoffen mehr als verdoppelt. Heute werden weltweit mehr als 85 Milliarden Tonnen an Rohstoffen jährlich gewonnen. Das Wachstum ist insbesondere nach 2002 deutlich angestiegen. Dies hat mit der stark steigenden Nachfrage in Entwicklungs- und Schwellenländern zu tun. Und auch mit dem nach wie vor sehr hohen pro-Kopf Konsums in den reichen Industrieländern.

Wenn bewertet werden soll, ob ein Land oder eine Region (wie die EU) dabei ist, im Sinne der Nachhaltigkeit weniger Ressourcen zu konsumieren, müssen umfassende Indikatoren verwendet werden, die über nationale Grenzen hinausgehen. Denn in Zeiten der Globalisierung sind Wertschöpfungsketten zunehmend international organisiert und Regionen wie Europa vom Rohstoffimport aus anderen Weltregionen abhängig. So müssen Industrien in EU Ländern zum Beispiel mehr als 80% des Eisenerzes und mehr als 90% des Bauxits zur Aluminiumherstellung importieren. Bei anderen Metallen, wie den in der IT Branche zur Anwendung kommenden „Seltenen Erden“ liegt der Importgrad bei 100%.

Ein Indikator zur Abbildung dieser internationalen Dimension  ist der so-genannte Materialfußabdruck. Er zeigt an, welche Rohstoffentnahmen notwendig waren, um alle in einem Land konsumierten Produkte und Dienstleistungen bereit zu stellen.

Durch die zunehmende Globalisierung haben die in Importen und Exporten enthaltenen Rohstoffe im Zeitraum von 1997 bis 2007 um 60% zugenommen, von fast 14 Mrd. Tonnen auf über 22 Mrd. Tonnen. 2007 waren daher bereits 34% der globalen Entnahme von Rohstoffen direkt und indirekt mit der Produktion von international gehandelten Gütern verbunden, mit weiter steigender Tendenz.

Europa und Nordamerika sind dabei jene Kontinente, die netto die größten Mengen an Rohstoffen aus anderen Weltregionen importieren. In Europa lagen diese Nettoimporte 2007 bei über 4 Mrd. Tonnen. Am meisten wurde aus Lateinamerika importiert, gefolgt von Asien, Afrika und Ozeanien.

Blickt man auf die pro-Kopf Werte, so kann man sehr große Unterschiede feststellen. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten 2007 einen pro-Kopf Materialfußabdruck von über 100 Tonnen. Europäische Länder lagen bei 20-30 Tonnen pro Kopf. Die geringsten Fußabdrücke hatten EinwohnerInnen von Ländern wie Malawi, Mozambique oder Bangladesch mit Werten unter 2 Tonnen pro Kopf.  

Was bedeutet dies für Wirtschaft und Politik?

Übergeordnetes Ziel für Länder und Regionen mit einem derzeit hohen Pro-Kopf Verbrauch muss es sein, eine absolute Reduktion im Ressourcenkonsum zu erreichen. Dabei ist es von großer Bedeutung, alle globalen Ressourcenströme mit einzubeziehen, die mit dem Endkonsum eines Landes in Verbindung stehen. Eine rein nationale Betrachtung kann zu falschen Schlussfolgerungen führen und ein zu positives Bild zeichnen, da die in andere Weltregionen ausgelagerten Prozesse nicht berücksichtigt werden.

Die Sicherung des Zugangs zu ausländischen Rohstoffen wird wirtschaftspolitisch ein immer wichtigeres Thema. Europa ist mit seinen sehr hohen Importraten etwa im Bereich der Metalle und fossilen Energieträger besonders gefordert, entsprechende Strategien zu entwickeln. Aus Sicht der Nachhaltigkeit sollten diese Strategien darauf fokussiert sein, die Rohstoffe in der Europäischen Wirtschaft möglichst effizient zu nutzen bzw. wo immer möglich im Kreislauf zu führen. Das hätte sowohl wirtschaftlich (Reduktion der Abhängigkeit) sowie ökologisch (weniger Ressourcenverbrauch reduziert auch den Druck auf die Umwelt) positive Effekte.

Die Ergebnisse der Analysen haben auch wichtige Implikationen für Nachhaltigkeit auf globaler Ebene. Denn der internationale Handel ist derzeit in einer Weise organisiert, in denen Rohstoffe aus Ländern mit einem geringen pro-Kopf Konsum in Länder geliefert werden, die bereits einen hohen pro-Kopf Konsum aufweisen. Globaler Handel verstärkt daher vorhandene globale Ungleichheiten, was aus Sicht der Nachhaltigkeit problematisch ist. Denn der Ressourcenkonsum müsste in vielen Regionen, wie etwa Sub-Sahara Afrika oder Südasien, ansteigen, um den materiellen Lebensstandard zu heben. Nur dadurch wird es möglich sein, ein gutes Leben für alle auf weltweiter Ebene zu realisieren.

 

Referenzen:

Giljum, S., Bruckner, M., Martinez, A., 2015. Material Footprint Assessment in a Global Input‐Output Framework. Journal of Industrial Ecology. 19, 792-804.

Tukker, A., Bulavskaya, T., Giljum, S., de Koning, A., Lutter, S., Simas, M., Stadler, K., Wood, R., 2014. The Global Resource Footprint of Nations. Carbon, water, land and materials embodied in trade and final consumption, Leiden/Delft/Vienna/Trondheim. http://www.exiobase.eu/index.php/publications/creea-booklet/73-creea-booklet-web-resolution/file

www.materialflows.net: Das Online-Portal für globale Daten zur Ressourcennutzung.

 

Autor: Stefan Giljum

Stefan Giljum leitet die Forschungsgruppe ‚Nachhaltige Ressourcennutzung‘ am Institute for Ecological Economics der WU Wien und beschäftigt sich seit 15 Jahren mit internationalen Entwicklungen im Bereich Ressourcennutzung und Ressourceneffizienz. 

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