Blogeinträge

Märkte über alles? Tücken und Widersprüche einer Green Economy – Transformationspfade zum Guten Leben für Alle

-

Märkte über alles? Tücken und Widersprüche einer Green Economy – Transformationspfade zum Guten Leben für Alle

Lilli Fuhr

Das Heilsversprechen der Green Economy ist ein attraktives – mit dem Elektroauto zur Arbeit fahren, Produkte aus Recyclingmaterialen kaufen, und bei Reisen die CO2-Emissionen „offsetten“ um damit Waldprojekte zu fördern klingt gut. Leben wie immer in einer Brave Green World, wo durch Effizienzgewinne und neue Technologien Ressourcen und Energie gespart werden, aber niemand auf die Annehmlichkeiten der modernen Gesellschaft verzichten muss. Denn nur auf den Verzicht können wir gut und gern verzichten.

Im Workshop „Märkte über alles? Tücken und Widersprüche einer Green Economy – Transformationspfade zum Guten Leben für Alle“ haben Lili Fuhr (Heinrich-Böll-Stiftung), Lena Heuwieser (Finance & Trade Watch; System Change not Climate Change) und Ulrich Brand (Universität Wien) das verheißungsvolle Zukunftsszenario der Green Economy unter die Lupe genommen. Gemeinsam wurde diskutiert, ob die Austauschbarkeit der Umweltbelastung an einem Ort mit Umweltschutz am anderen Ende der Welt sinnvoll scheint, was es bedeutet den monetären Wert von Natur zu bestimmen und alles in Geld zu fassen, und warum das blinde Vertrauen in technologische Innovationen der Zukunft problematisch ist.

„Moderner Ablasshandel“

Die Green Economy als Leitstern für ein gutes Leben für alle und eine neue Globalisierung scheitert vor allem daran, dass sie keine neue Weltordnung will und braucht. Sie stellt weder das herrschende Wachstumsparadigma, noch relevante und problematische Machtaspekte in Frage, sondern propagiert eine Alternative ohne Verhaltensänderung. Von TeilnehmerInnen wurde die Green Economy daher als „moderner Ablasshandel“ bezeichnet – sündige weiterhin, aber mit gutem Gewissen. Die Produktion von Konsumgütern mit weniger Material- und Energieeinsatz ist ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigeren Gesellschaft, kann aber nicht deren Triebwerk  sein, denn Reduktionen eines viel größeren Maßstabs sind nötig. Gemäß Albert Einstein kann man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind – es braucht tiefer- und weitergreifende Veränderung.

Von einer imperialen zu einer solidarischen Lebensweise

Die heutige „imperiale Lebensweise“ der Gesellschaften des globalen Nordens (und zunehmend auch der Schwellenländer) beruht wie selbstverständlich auf der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Arbeitskraft aus anderen Weltregionen. Diese ausgebeuteten Gebiete sind zudem von einer Klimaveränderung am stärksten gefährdet – eine extreme soziale Ungerechtigkeit. Das gute Leben für alle braucht die Veränderung hin zu einer „solidarischen Lebensweise“. Die TeilnehmerInnen des Workshops sahen vor allem Empathie, Besinnung auf das Wesentliche und das Hinterfragen von Normalität als Orientierungspunkte auf dem Weg dahin. Große Änderungen können vor allem auf politischer Ebene in Gang gesetzt werden, etwa durch Steuermaßnahmen und internationale Abkommen, aber auch das Zusammenschließen von Menschen aus der Zivilgesellschaft ist essenziell. Politik entsteht mit und durch uns, wenn wir engagieren und unsere Rechte einfordern. Die Märkte und die Wirtschaft können nicht länger über alles gestellt werden – denn nur wenn’s uns allen gut geht, geht’s wirklich uns allen gut.

Autorin: Luzia Straßer

Zurück

Einen Kommentar schreiben